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Es war Sommer als ich dich zuletzt sah. Du gefielst mir schon damals sehr gut. Deine Haare fielen dir ins Gesicht als du dich das letzte Mal umdrehtest. Du kanntest mich nicht. Lächeltest mich aber trotzdem an. Das einfache Mädchen vom Dorf. Du warst Kaufmann soweit ich mich erinnere. Zogst mit euren Wertsachen in die nächste Stadt. Ich konnte dich nie vergessen. Diese Ausstrahlung und Ruhe die du verkörpertest. Ich besann mich wieder auf das Aufhängen der Leinen.
Es vergingen Jahre. Und jeden Sommer dachte ich an unsere Begegnung. Jeden Sommer lief ich die Weide hoch aus Hoffnung dir noch einmal über den Weg zu laufen. Die Erinnerung an dich wirkte beruhigend auf mich. Ich fing an Briefe zu schreiben. Das Schreiben haben wir Frauen nie wirklich gelernt. Ich hatte bestimmt viele Fehler drin. Du wart gebildet, ich dumm. Du hattest Lebenserfahrung, ich war naiv. Diese Briefe türmten sich in meiner kleinen Kiste. Nie wurden sie geöffnet.
Inzwischen war ich eine hübsche junge Frau geworden. Ich kam nahe an meinen 19. Geburtstag. Es wurde Zeit das ich vermählt wurde. Ich kam dennoch jedes Jahr im Sommer diese Weide hoch und schaute nach dir. Mein Lebensziel war nach dir gerichtet. Ich erledigte meine Aufgaben nur halblebig. Ich fühlte mich tot unter den Massen von Menschen. Nur dieses jährliche Aufsteigen der Weide war mein Lebensziel.
Eines Tages verlobte mich mein Vater, nachdem ich auf keine der Announcen der Männer eingegangen war. Er war ein Mann der Mittelschicht. Nicht ganz das, was mein Vater erwartete aber er war dennoch zufrieden. Unsere Hochzeit war nüchtern und kurz. mein Mann bemühte sich stets um mich und dennoch konnte ich ihm nicht meine Liebe geben. Irgendwann einmal entschieden wir, -entschied er- sich für ein Kind. Ich wurde schwanger und hütete Jahre später drei Kinder. Inzwischen hatte ich schon fast mein Leben vertan. Und dennoch kam ich jährlich zu dieser Weide, mit der Begründung die Leinen dort auszubleichen.
Eines Jahres, wenn ich richtig zählte, so war es mein 42. Lebensjahr, ging ich mit meinen beiden Töchtern im Sommer zu dieser Weide um die Leinen erneut auszubleichen. Es kam ein Holzwagen angefahren. Ein junger Bursche schleppte schwere Taschen und schaute uns mit seinen dunklen Augen an. Seine längeren braunen Haare wehten im Wind. Er drehte sich um und sah in das Gesicht meiner ältesten Tochter. Er lächelte sie an. Ich flüsterte ihr zu, das sie sich aufmachen soll, sie solle mit ihm reden. Sie wirkte schüchtern, kam auf ihn zu. Ein paar Monate später heirateten sie.
Und ich? Ich ging noch jedes Jahr im Sommer auf die Weide und wartete auf dich. Denn das was ich empfand, war Liebe.


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